[ 4.Okt 2012 | |No Comment ]
ANIMPOL

Kunststoffe aus Schlachtabfälle

Schlachthäuser könnten künftig nicht nur Fleisch für Schnitzel, Steaks und Würste liefern – sondern die Kunststoffverpackung gleich mit. Sogar den Transport bis zur Ladentheke könnte der Rohstoff ermöglichen. Aus den Tierresten lassen sich ebenfalls Biotreibstoffe gewinnen.

Werden demnächst Fette aus Schlachthäusern zu Bio-Plastiksackerl verarbeitet? Im EU-Projekt „Animpol“ spielen Forscher diese Biokunststoff-Produktion bereits durch. (Bild: ANIMPOL-Logo)

Was seltsam klingt, ist bereits möglich: Das Instituts für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der Technischen Universität Graz forscht gemeinsam mit europäischen Partnern im EU-Projekt „ANIMPOL“ an völlig neuen Prozessen zur Herstellung von biologisch abbaubaren Kunststoffen und Biotreibstoffen auf der Grundlage von Schlachtabfällen. Im Labor werden bereits in geringen Mengen Organische Abfälle aus der industriellen Fleischproduktion zu grünem Kunststoff verarbeitet, berichtet Martin Koller. Er ist Koordinator des EU-Projekts ANIMPOL, einem Kunstwort aus “animal” für “Tier” und “pol” für Polyester.

Polymere aus dem Schlachthaus

In der europäischen Schlachtindustrie fallen pro Jahr ca. eine halbe Million Tonnen Lipide (Fette) an, das größtenteils verbrannt wird. Die Verwertung als Bio-Kunststoff bzw. -treibstoff würde jedoch dem Forscherteam zufolge eine deutlich höhere Ausbeute mit sich bringen. 0,7 Tonnen Biokunststoff lassen sich demnach aus einer Tonne Lipide herstellen. So ließen sich etwa 200.000 Tonnen Biopolymere aus 500.000 Tonnen Abfallfett herstellen. Bei aus Pflanzen stammenden Rohstoffen (Kohlenhydrate wie Zucker oder Glucose) sind es in der Theorie 0,5 Tonnen und in der Praxis sogar nur  0,3 Tonnen.

Das mit knapp drei Millionen Euro von der EU geförderten Projekt „Animpol” startete bereits 2010 und ist zum Jahresende 2012 abgeschlossen. Nach dem Projektende ist die Errichtung einer Produktionsanlage geplant, um möglichst bald Biopolymere aus tierischen Abfallprodukten in großem Stil produzieren zu können. Marktreif könnten die Biopolymere dann in zwei bis drei Jahren sein und sollen bis zum Jahr 2015 mindestens zwei Prozent des weltweit produzierten Kunststoffs ausmachen – vor allem in Form von Verpackungsmaterialien und Produkten für die Chirurgie.

 

Weiterführende Links

ANIMPOL-Projektseite der Europäischen Kommission

ANIMPOL-Projektseite der TU Graz

Technology Review Artikel aus Heft Oktober 2012



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Der Autor


Herausgeber von Kunststoffreport.de Gelernter Verfahrensmechaniker für Kunststoff- & Kautschuktechnik. Nach seiner Lehre als Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuktechnik startete er neben seiner Arbeit an der Abendschule sein Technisches Abitur, dass er im Februar 2010 erfolgreich beendete. Seit Sommer 2010 studiert er Kunststofftechnik.

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