[ 23.Mai 2011 | |No Comment ]
Ausstellung

Ein Stoff für alle Fälle. Kunststoffdesign im 20. Jahrhundert

Kein Weg führt an Kunststoff vorbei, besonders in der Technik. Dass Plastik aber auch Inspiration und kultureller Fortschritt bedeutet, zeigt das Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen von diesem Freitag an (bis 3. Oktober).

 

Ein Stoff für alle Fälle. Kunststoffdesign im 20. Jahrhundert. Eine Ausstellung der Wilhelm Wagenfeld Stiftung vom 6. Mai bis zum 3. Oktober 2011.

Ein Stoff für alle Fälle. Kunststoffdesign im 20. Jahrhundert. Eine Ausstellung der Wilhelm Wagenfeld Stiftung vom 6. Mai bis zum 3. Oktober 2011.

Ein Stoff für alle Fälle? Der Kunststoff: wir benutzen ihn täglich und in allen Lebenslagen, beruflich und privat, beim Sport und im Verkehr. Er kann durchsichtig sein oder in allen Farben schillern, je nach Bedarf ist er spröde oder biegsam, flockig oder elastisch. Trotz seiner Allgegenwärtigkeit wissen wir recht wenig über seine vielseitigen Eigenschaften. Wenn uns jemand fragt, aus welchem Material der neue Sessel, das Radio, die Küchen-maschine etc. denn sei, sagen wir einfach nur: aus Plastik. Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstehen zunehmend neue Materialien, ohne die unser industrieller Fortschritt nicht möglich gewesen wäre. Ob Zelluloid, Bakelit oder Resopal, Plexiglas oder Nylon gewählt wurde – schon früh haben die nahezu unerschöpflichen, sich bis heute ständig erweiternden Möglichkeiten der vielfältigen Materialien die Gestalter unserer Alltagskultur herausgefordert und ihnen ungeahnte Freiräume eröffnet.

Seit etwa 1930 experimentieren professionelle Designer mit Kunststoffen und setzten sie nicht nur für leichtes Haushaltsgeschirr ein, sondern vor allem bei der Gestaltung neuer technischer Geräte – für Leuchten und Kameras, für Telefone, Lautsprecher, Radios und Plattenspieler. Im Bereich der Technik und der Kommunikation ist unser Leben ohne Kunststoffe undenkbar geworden, aber auch unsere Wohn- und Arbeitswelt wird durch sie geprägt.

Der Fantasie sind wegen der besonderen Formbarkeit des Materials keine Grenzen gesetzt: So konnte ein Radio in den 1930er Jahren wie ein Wolkenkratzer oder eine Kühlerhaube aussehen, in den 1960er Jahren wie ein Sputnik oder eine Raumkapsel. Die Pop-Ära scheint ohne die in kräftigen Farben leuchtenden Plastikmöbel undenkbar, die zum Inbegriff einer neuen Jugendkultur wurden. Hier zeigt sich mit aller Deutlichkeit, wie sehr unsere Alltagskultur immer ein Spiegel der jeweiligen Gegenwart mit ihren Ereignissen, unseren Wünschen und Träumen ist. Etwa ab Mitte des 20. Jahrhunderts kommen Kunststoffe für nahezu jeden Gebrauchsgegenstand zum Einsatz; sie werden zunehmend als preiswerte und praktische Alternative zu anderen Werkstoffen geschätzt.

Mit der maßgeblichen Unterstützung vor allem privater Sammler ist es gelungen, in der Ausstellung außerordentlich schöne, seltene und kostbare Beispiele aus der Geschichte des Kunststoffdesigns zu präsentieren, die alle Vorurteile gegenüber „minderwertigen Plastikartikeln“ vergessen lassen. Zu sehen sind u.a. die „Radio Nurse“, ein Kurzwellengerät von Isamu Noguchi, die berühmten Kunststoffschalenstühle von Charles und Ray Eames oder das erste Bordgeschirr aus Kunststoff, das Wilhelm Wagenfeld 1955 für die Lufthansa gestaltet hat. Die Namensliste der Gestalter liest sich wie ein „who is who“ der Designgeschichte; sie reicht von Friedrich Adler bis zu Wilhelm Wagenfeld, dessen Leistungen auf dem Gebiet der Kunststoffgestaltung erstmals umfassend gezeigt werden.

Eine Ausstellung der Wilhelm Wagenfeld Stiftung im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen vom 6. Mai bis zum 3. Oktober 2011 (Eröffnung am 5.Mai um 18 Uhr). Di 15 – 21 Uhr, Mi – So 10 – 18 Uhr, Führungen: sonntags 13 Uhr und nach Voranmeldung.

Kontakt:
Wilhelm Wagenfeld Stiftung,  Phone: 0421 – 33 999 33, www.wilhelm-wagenfeld-stiftung.de



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Ein Beitrag der Kunststoffreport-Redaktion.

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