[ 17.Feb 2011 | |No Comment ]

EU-weites Verbot für Bisphenol A in Babyflaschen

Der Verkauf von Babyflaschen aus Polycarbonat, in dem die Weichmacher-Chemikalie Bisphenol A enthalten ist, ist der EU verboten. Bereits schon ab 1.März 2011 wird der Einsatz von Bisphenol A in Kunststoffen verboten. Das hat der Ständige Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit gestern mit qualifizierter Mehrheit beschlossen.

Die Ausschussmitglieder stimmten damit für einen Richtlinienvorschlag der EU-Kommission. Die Abstimmung folgt einer monatelangen Diskussion zwischen EU-Kommission, Europäischer Lebensmittelbehörde (EFSA), den Mitgleidstaaten und VertreterInnen der Industrie. EU-Kommissar John Dalli – zuständig für Gesundheit und Verbraucherschutz – nannte die Entscheidung “eine gute Nachricht für europäische Verbraucher” und verwies auf kürzlich erschienene Studien, die Unsicherheiten über die schädliche Wirkung von BPA aufgedeckt hatten. Die Studien hätten gezeigt, dass der Stoff möglicherweise Effekte auf die Entwicklung, die Immunabwehr und die Tumorentwicklung bei Menschen haben könnte. Nun müssen die EU-Mitgliedstaaten den Beschluss in ihren Hoheitsgebieten umsetzen.

Verbot für Bisphenol A in Babyflaschen

Verbot für Bisphenol A in Babyflaschen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte die heutige Erklärung des Bundesverbraucherschutzministerium, ab dem 1. Juni die gesundheitsgefährdende Chemikalie Bisphenol A in Babyfläschchen zu verbieten, kritisierte aber zugleich die Übergangsfrist von drei Monaten für bereits hergestellte Artikel und mahnte ein generelles Verbot der Chemikalie in allen Anwendungen an, die Kinder und schwangere Frauen belasten können.

Bisphenol A wirke im Körper bereits in geringsten Mengen hormonell. Herz- und Kreislauferkrankungen, Störungen der Sexualentwicklung sowie Diabetes würden mit der Chemikalie in Verbindung gebracht. Sie könne im Urin von nahezu jedem Menschen nachgewiesen werden. Deshalb dürften auch bereits hergestellte Bisphenol-A-haltige Babyfläschchen nicht mehr verkauft werden.

Patricia Cameron, BUND-Chemieexpertin: “Kinder sind besonders gefährdet. Das Verbot von Bisphenol A in Babyflaschen ist deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Belastung fängt jedoch bereits im Mutterleib an. Deshalb muss die Chemikalie auch für alle Anwendungen verboten werden, die Kinder und schwangere Frauen belasten können.” Der Umweltverband  hatte in Analysen durch ein Testlabor auch in Schnullern Bisphenol A gefunden.

Allein in Deutschland würden jährlich rund 400000 Tonnen Bisphenol A vermarktet.  Babyfläschchen hätten daran nur einen geringen Anteil. So finde sich der Stoff auch in zahlreichen anderen Kunststoffartikeln aus Polycarbonat sowie in den Innenbeschichtungen von Dosen und in Thermopapier.

“Wenn die Verbraucher wirklich geschützt werden sollen, dann kann das Verbot für Babyfläschchen nur ein Anfang sein”, sagte Cameron. “Mittlerweile bieten fast alle Hersteller neben konventionellen Kinderartikeln wie Babyfläschchen und Schnullern aus Polycarbonat auch Bisphenol-A-freie Produkte an. Dies zeigt, dass der Stoff leicht zu ersetzen ist und einem weitergehenden Verbot nichts im Wege steht.” Nicht nur für Babyflaschen und Schnuller, sondern für alle Kleinkinderartikel und für Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, forderte der BUND ein Verbot von Bisphenol A und anderer hormonartig wirksamer Chemikalien.



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Ein Beitrag der Kunststoffreport-Redaktion.

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