[ 17.Jun 2010 | |One Comment ]
BMBF-Fördersumme von über 4,5 Millionen Euro

Herstellung hochwertiger Polymermaterialien aus CO2

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Der Einsatz von CO2 als Rohstoff bei der Herstellung von Polymeren hilft, weniger konventionelle Rohstoffe und damit weniger fossile Energieträger zu verbrauchen. Mit diesem Ansatz wird auch für zukünftige Generationen ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen aufgezeigt.

Forscher von Bayer MaterialScience und Bayer Technology Services arbeiten zusammen mit der RWE Power AG sowie der RWTH Aachen University als akademischem Partner an einer nachhaltigen Verwendung von Kohlendioxid (CO2). Im Mittelpunkt des Projekts „Dream Production“ stehen die Errichtung und Inbetriebnahme einer Pilotanlage im Chempark Leverkusen. Hier sollen im Kilogramm-Maßstab Polyetherpolycarbonatpolyole (PPP) produziert werden, die zu Polyurethanen weiterverarbeitet werden. Dabei wird CO2 chemisch gebunden und findet so nachhaltig Verwendung als Werkstoff. Die Schlüsseltechnologie hierfür ist die Katalyse.

Katalysetechnologie wird derzeit bei der Herstellung von mehr als 85 Prozent aller chemischen Produkte eingesetzt, auch bei den sogenannten „Dream Reactions“ – Reaktionen, die im Labor erprobt wurden, von deren industrieller Umsetzung man aber bisher nur träumen konnte. Konkret: Beim Versuch, CO2 nutzbar zu machen, stand die Reaktionsträgheit von Kohlendioxid bisher wie eine große Hürde im Weg. Bereits 1969 hatten Forscher zwar einen Weg gefunden, aus CO2 Kunststoffe herzustellen. Doch der Prozess funktionierte nur mit teuren Katalysatoren unter hohem Druck und bei hoher Temperatur. Ein neuartige Katalyse auf Zinkbasis soll diese Probleme nun lösen und ist im Labor bereits möglich geworden. Im Projekt „Dream Production“ sollen nun die vielversprechenden Ergebnisse aus dem Labor erstmals in den Technikumsmaßstab überführt werden. Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Projektträger betreute Initiative wird in den kommenden drei Jahren mit insgesamt über 4,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Die durch die Katalyse gewonnenen Polyetherpolycarbonatpolyole sind äußerst attraktive Materialien. Neben der direkten Nutzung des CO2 eröffnen sich weitere interessante CO2- Einsparpotenziale durch Verwendung der aus den PPPs hergestellten Polyurethane. „Die Verwertung des Abfallproduktes CO2 zur Herstellung von vielseitigen Wertstoffen ist eine absolute Meisterleistung der Katalyse, auf die wir ebenso wie unsere Projektpartner sehr stolz sind“, sagte Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender der Bayer MaterialScience AG. „Darüber hinaus sparen Polyurethane als effizientestes organisches Dämmmaterial während ihrer Nutzungsdauer etwa 80-mal mehr Energie ein, als zu ihrer Herstellung benötigt wird. Somit erzielen PPPs einen doppelt positiven Effekt für den Klimaschutz.“

Neben der Gebäudedämmung tragen Leichtbauteile aus Polyurethanen etwa in der Automobilindustrie zu einer Gewichtsverringerung und damit zu signifikanten Energieeinsparungen bei. Aber auch als Stoff, aus dem hochwertige Matratzen und Polstermöbel hergestellt werden, sind Polyurethane Teil des täglichen Lebens.

„Dream Production“ basiert auf dem von Bayer Technology Services initiierten und ebenfalls vom BMBF geförderten Vorläuferprojekt „Dream Reactions“. „Im Rahmen dieses Projektes bearbeiten wir grundlegende Fragestellungen, bei denen die Nutzbarmachung von CO2 mit Hilfe neu entwickelter Katalysatoren im Mittelpunkt steht. Dabei konnten wir vielversprechende Ergebnisse erzielen, die wiederum Grundlage für die industrielle Umsetzung im Projekt Dream Production sind“, erläuterte Dr. Dirk Van Meirvenne, Geschäftsführer der Bayer Technology Services GmbH.

„Die fruchtbare Kooperation mit Bayer MaterialScience und Bayer Technology Services im Rahmen des Katalysezentrums CAT hat den Grundstein für dieses Konsortium gelegt. Es ist einzigartig, dass im Bereich der CO2-Nutzung die gesamte Wertschöpfungskette von der Quelle bis zum Produkt in einem Projekt vereint ist. Dies bietet enorme Chancen, erfordert aber auch eine offene und intensive Kommunikation, die in der Vorbereitung des Projekts hervorragend funktioniert hat“, so Prof. Dr. Walter Leitner, geschäftsführender Direktor des Instituts für Technische und Makromolekulare Chemie (ITMC) der RWTH Aachen University.

Vom Abfallprodukt zum Rohstoff

Das im Rahmen des Projekts eingesetzte CO2 wird aus dem Braunkohlenkraftwerk von RWE Power in Niederaußem stammen. Dort betreibt der Stromerzeuger in seinem Innovationszentrum Kohle eine CO2-Wäsche, mit der das Kohlendioxid aus dem Rauchgas abgetrennt wird. Für das Projekt Dream Production wird die CO2-Wäsche zusätzlich mit einer Verflüssigungsanlage ausgestattet, so dass das Kohlendioxid nach Leverkusen transportiert werden kann. Die CO2-Verflüssigungsanlage wird flexibel für unterschiedliche Anforderungen an das CO2 wie Drücke und Reinheiten im Kilogramm- bis Tonnenmaßstab errichtet und betrieben.

„In einem breiten Energiemix wird die Kohle auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen“, erklärt Dr. Johannes Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG. Und weiter: „Das Projekt Dream Production ist deshalb auch für RWE wichtig. Neben einer möglichst energieeffizienten Abtrennung von CO2 aus dem Kraftwerksprozess als Baustein für signifikante Kohlendioxidminderungen in Kohlekraftwerken erschließen wir in einer branchenübergreifenden Kooperation zusätzlich den Weg der CO2-Nutzung. Und zwar nach der Devise CO2 – ein neuer Rohstoff.”



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Der Autor


Herausgeber von Kunststoffreport.de Gelernter Verfahrensmechaniker für Kunststoff- & Kautschuktechnik. Nach seiner Lehre als Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuktechnik startete er neben seiner Arbeit an der Abendschule sein Technisches Abitur, dass er im Februar 2010 erfolgreich beendete. Seit Sommer 2010 studiert er Kunststofftechnik.

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Leserkommentare: 1 Kommentare

  1. Görkel sagt:

    Das ist ja super! Da kann ich demnächst meine ausgeatmete Luft verkaufen?

    Hoffentlich heist es jetzt nicht gleich: Leute, produziert mehr CO2!!!

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