[ 10.Jun 2010 | |One Comment ]
Automatica Munich Spezial

Was bedeutet heute Automatisierung?

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Heutzutage bestehen Automatisierungslösungen aus komplexen Systemen, die sich aus unterschiedlichen Disziplinen zusammensetzen. In den meisten Fällen arbeiten Robotik, Montage- und Handhabungstechnik sowie industrielle Bildverarbeitung und Sensorik Hand in Hand. Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Wie wird eine Windschutzscheibe in eine Kfz-Karosserie eingebaut?

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VDMA Fachverbandes Robotik + Automation, Hans-Dieter Baumtrog, beantwortet die Frage: „Mit unseren Technologien ist das kein Problem. Da ist zunächst ein Roboter am Werk, ein starker Arm, der die Windschutzscheibe einem Speicher entnimmt und an die für den Einbau richtige Position bringt. Das genaue Positionieren der Windschutzscheibe und das dauerhafte Verbinden verschiedener Teile zu einem Ganzen ist dann die Aufgabe der Montage- und Handhabungstechnik – im konkreten Fall eines Greifers, der die Scheibe fest im Griff hält. Als Auge des Roboters ist schließlich ein Bildverarbeitungssystem im Einsatz, das dafür sorgt, dass die Scheibe passgenau positioniert wird. Wirken alle drei Bereiche, also die Robotik, die Montage- und Handhabungstechnik sowie die Industrielle Bildverarbeitung wie in diesem Beispiel zusammen, sprechen wir von Robotik und Automation.“

Wie automatisiert ist die Welt?

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, Prozesse zu automatisieren, um hochwertige Produkte kostengünstiger herzustellen. Denn der Wettbewerbsvorteil liegt bei demjenigen, der rasch auf Marktanforderungen reagieren und Produkte von hoher Qualität herstellen kann. Diese Flexibilität ist vermutlich ein Grund, warum die Industrieländer – laut OECD-Prognose – schneller aus der Krise gekommen sind, als ursprünglich erwartet.

In vielen Ländern und Branchen ist das Automatisierungspotenzial bei weitem nicht ausgeschöpft. Erst ein Drittel der Unternehmen nutzen Automatisierungstechniken wie Industrieroboter oder prozessintegrierte Qualitätskontrolle. Das ergab eine von der AUTOMATICA in Auftrag gegebene Studie des IFR (International Federation of Robotics) Statistical Department, die sich mit globalen Wachstumspotenzialen im Bereich Robotik und Automation beschäftigt. Die AUTOMATICA hat die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und einen interaktiven Automatisierungsatlas abgeleitet, der über Automatisierungsquoten und andere Details informiert.

Automatisierungsbedarf in Asien– Abgesehen von Japan, Korea und Taiwan ist der asiatische Raum nur schwach automatisiert, wie übrigens auch die meisten Länder Osteuropas. Laut Automatisierungsatlas findet man dort in der verarbeitenden Industrie weniger als 50 Industrieroboter pro 10.000 Beschäftigte – wobei die Roboterdichte als ein wesentlicher Indikator für den Grad der Automatisierung zu sehen ist.
In diesen sich entwickelnden Volkswirtschaften geht es bei der Automatisierung nicht so sehr um Effizienz, die in Industrieländern ein wichtiges Entscheidungskriterium ist. Robotik und Automation haben dort aus anderen Gründen beste Chancen sich auf den Unternehmenserfolg vorteilhaft auszuwirken. Denn die Ansprüche an die Qualität der Endprodukte, die präzise Handhabung mikrotechnischer Bauteile und die Notwendigkeit platzsparender Montage in Reinräumen machen die Automatisierungstechnik selbst da unverzichtbar, wo die Lohnkosten eine vergleichsweise geringe Rolle spielen.
In der Halle B1 hat die AUTOMATICA 2010 eine „Know-how Lounge“eingerichtet, die den Besuchern einen vielfältigen Austausch mit Experten aus den unterschiedlichen Automatisierungsbereichen ermöglicht. Am 8. Juni 2010 fand dort die „Asia Know-how Lounge“ statt. Anwender und Experten konnten sich über den Automatisierungsbedarf in China und über Markteintrittsstrategien in Indien referieren.

Die vielen Gesichter der Automatisierung

Flexible Systeme sind dort unverzichtbar, wo produzierende Unternehmen wirtschaftlich und schnell auf Stückzahlschwankungen, Änderungen im Automatisierungsgrad, Variantenentwicklung und Produktionsverlagerungen reagieren müssen. Dabei stoßen konventionelle Produktionsprozesse oft an ihre Grenzen. Die Türen zum Erfolg öffnen sich dagegen häufig den Unternehmen, die nicht vor der Automatisierung zurückschrecken.

Industrierobotik: In der Industrie ist Automatisierung in vielen Fällen keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Für hohe Flexibilität und Produktivität sorgt die Kernkomponente Roboter. Beim Blick in die Produktionshallen der Automobilindustrie gehören ganze Teams von Schweißrobotern schon lange zum gewohnten Bild. Auch in der Verpackungsbranche sind Pick & Place-Systeme an der Tagesordnung. Doch immer wieder gibt es Neuentwicklungen zu bestaunen, wie zum Beispiel den Seilroboter IPAnema, den das Fraunhofer Institut Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) entwickelt hat. Die neue Kinematik des Seilroboters basiert auf Seilen, die durch mehrere Winden angetrieben werden. Sie bewegen eine Plattform, einen Greifer oder ähnliches beliebig im Raum.

Green Automation:Der Seilroboter IPAnema ist auch das Leitexponat der Green Automation-Initiative, die von der AUTOMATICA, dem VDMA Robotik + Automation und IPA ins Leben gerufen wurde. Green Automation steht für die Idee, mit Automatisierung eine lebenswerte Welt zu gestalten. Ein Sonderstand in Halle B2 präsentiert ausgewählte Produkte, wie zum Beispiel den IPAnema, der unter anderem zur Montage und Wartung von Sonnenkollektoren eingesetzt werden kann. Auch an den Messeständen tragen zahlreiche Produkte das Green Automation-Label, das auf besonders ressourcenschonenden Umgang mit und durch Automatisierungstechnologie aufmerksam macht.

Servicerobotik: Auch außerhalb industrieller Einsatzgebiete erfreuen sich Roboter wachsenden Interesses. Jüngstes Beispiel sind Einsätze bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexico, wo Tauchroboter unablässig im Einsatz sind und die Rettungsversuche begleiten. Gefragt sind Service-Roboter überall dort, wo es für den Menschen zu gefährlich, zu eng oder zu aufwändig sein könnte.
Im Vergleich zu den Industrierobotern ist die Anzahl der installierten Serviceroboter gering – bis 2008 waren es im gewerblichen Bereich etwa 63.000. Im Vergleich: Allein im Jahr 2008 wurden weltweit rund 113.000 Industrieroboter ausgeliefert. Dementsprechend steckt noch deutlich mehr Potenzial in der Servicerobotik. So erwartet das Statistical Department der IFR (International Federation of Robotics) für die Jahre bis 2012 weitere 49.000 gewerblich genutzte Serviceroboter, was einem Zuwachs von rund 78 Prozent entspricht. Wichtigste Einsatzgebiete der robusten Helfer sind Verteidigung, Rettung und Sicherheit. Dazu zählen beispielsweise unbemannte Flugsysteme, die riskante Einsätze militärischer und ziviler Art übernehmen. Auch Melk-, Reinigungs- und Chirurgieroboter, Roboter in der Logistik sowie Unterwassersysteme gehören zu den Wachstumsbereichen.



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Der Autor


Herausgeber von Kunststoffreport.de Gelernter Verfahrensmechaniker für Kunststoff- & Kautschuktechnik. Nach seiner Lehre als Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuktechnik startete er neben seiner Arbeit an der Abendschule sein Technisches Abitur, dass er im Februar 2010 erfolgreich beendete. Seit Sommer 2010 studiert er Kunststofftechnik.

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